Der E-Weltmeister


Kein E-Auto verkauft sich weltweit besser als der Leaf. In Tokio stellte Nissan nun die zweite Generation vor. Sie erhielt mehr Reichweite, fährt teilautonom und soll nicht mehr kosten als der Vorgänger. Das freut nicht jeden.

Geht es um vollmundige Ankündigungen in Sachen Elektromobilität mag Tesla-Gründer Elon Musk die Pole Position einnehmen. Immerhin sollen für das kürzlich gestartete Model 3 mehr als eine halbe Million Vorbestellungen auf dem Tisch liegen.

Doch die müssen erst einmal auf die Straße kommen. De facto nimmt ein anderer Hersteller bei E-Autos die Spitzenstellung ein: Der Leaf von Nissan gilt als das erste in Großserie gefertigte Elektroauto, und er hat es trotz seines etwas eigenartigen Aussehens zum Bestseller geschafft. Seit dem Debüt 2010 rollten fast 300.000 Leaf von den Bändern, mehr als von jedem anderen E-Modell. Addiert, so behauptet Nissan, haben alle Leaf-Besitzer rund 3,5 Milliarden Kilometer zurückgelegt.

Jetzt kommt Generation zwei auf den Markt. In Japan beginnt der Verkauf des neuen Leaf im Oktober. Allein dort werden doppelt so viele Verkäufe erwartet wie zuvor. Nach Deutschland kommt der Stromer, in der Länge um fünf Zentimeter auf 4,49 Meter gewachsen, im Januar. Sein Design bleibt eigenwillig. Käufer von Elektroautos wollen sich schließlich von Besitzern konventioneller Diesel- und Benzinautos abheben. Das Tesla Model S und ein BMW i3 sind hier beste Beispiele.

Nissan Leaf: Der E-Weltmeister

Unter dem Blech wurde viel verändert. Mit dem Vorgänger teilt der Leaf eigentlich nur noch seinen Namen. Der Motor wurde neu entwickelt und hat jetzt 110 kW/150 PS anstatt wie zuvor 80 kW/109 PS. Das Drehmoment stieg von 250 auf 320 Newtonmeter, was den Leaf deutlich souveräner im Anzug machen dürfte. Wichtigstes Element aber ist die Batterie, beziehungsweise deren Kapazität. Die im Wagenboden platzierten Lithium-Ionen-Zellen kommen jetzt auf 40 kWh. Das soll nach europäischem Fahrzyklus für eine Strecke von 378 Kilometer reichen. In der Realität werden es wohl nur gute 300 Kilometer sein. Dies zeigt in verschiedenen Tests bereits der Renault Zoe, der brutto ebenfalls mit 400 Kilometer angegeben wird.

Nachteil der großen Batterie bleibt die lange Ladezeit. An einer normalen Steckdose zu Hause dauert es beim Leaf 16 Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Wer also abends spät heimkommt und morgens wieder mit komplett geladener Batterie los will, braucht einen stärkeren Anschluss. Vermutlich Ende 2018 soll es einen 60-kWh-Speicher geben, gut für eine Reichweite von mehr als 500 Kilometer – inklusive stärkerem Motor.

Der Leaf dient als Pufferspeicher

Im Innenraum gibt es wenige Überraschungen. Geblieben ist der kleine Joystick auf der Mittelkonsole, um den Gang einzulegen. Der Rest ist mehr oder weniger konventionell gehalten: T-förmiges Armaturenbrett mit einem großen Display in der Mitte und Cockpit hinter dem Lenkrad. Wer genauer hinschaut, entdeckt jedoch einen kleinen Schalter mit der Aufschrift „e-pedal“. Auf ihn sind die Entwickler besonders stolz. Wird er gedrückt, lässt sich der Leaf weitestgehend nur über das Fahrpedal bedienen. Beschleunigen, rollen, verzögern. Das Bremspedal kommt nur noch im Notfall zum Einsatz.

Ebenso neu an Bord ist ein teilautonomes Assistenzsystem, genannt ProPilot. Ausprobieren konnte man das Feature bereits in einem Nissan Serena Familien-Van. Das System folgt dem Vordermann brav auch in Kurven, hält die Spur mittig zwischen den Linien, bremst, beispielsweise im Stau, bis zum Stand ab und fährt innerhalb von drei Sekunden auch wieder selbstständig an. In der Sprache des Autonomen Fahrens befindet sich der ProPilot auf dem sogenannten Level 2. Das bedeutet, die Hände müssen am Lenkrad bleiben. Auf den Schoß legen kann der Leaf-Fahrer sie jedoch beim rückwärtigen Einparken. Die gesamte Prozedur inklusive Lenken, Rollen und Bremsen übernimmt der Computer.

Der Leaf lässt sich in Deutschland nur schwer verkaufen

Trotz der größeren Batterie und besseren Ausstattung will Nissan den Leaf preislich auf dem Niveau des Vorgängers lassen. Genannt wird eine Summe von 31.950 Euro (altes Modell mit 30-kWh-Speicher: 31.265 Euro). „Bezogen auf die höhere Batteriekapazität ist der neue Leaf sogar günstiger“, sagt Thomas Hausch, Geschäftsführer Nissan Center Europe GmbH. Abzüglich der staatlichen Prämie von 2.000 Euro plus 3.000 Euro, die Nissan-Händler derzeit für das alte Modell dazugeben, würde der neue Leaf weniger als 27.000 Euro kosten. Noch ist allerdings offen, ob diese interne Förderung beibehalten wird. Hausch plant, auf maximal 2.000 Euro zu gehen.

Produziert wird der Leaf nach wie vor an drei Standorten: Yokohama in Japan, Sunderland in England und Nashville in den USA. Bei dem kompakten Hatchback soll es nicht bleiben. Im Trend liegen SUVs. Erfolg versprechend könnte also auch ein Elektroauto in Form und Größe des Qashqai sein. Zu hören ist, dass Nissan schon im nächsten Monat auf der Tokyo Motor Show hierzu ein Concept Car vorstellen will.

So gut und technisch fit sich der neue Leaf auch zeigt, Besitzer eines alten Modells dürften das mit gemischten Gefühlen sehen, wird es für sie doch zunehmend schwieriger, ihren Stromer zu verkaufen. Das Gebrauchtwagen-Portal mobile.de ermittelt hier von Monat zu Monat die durchschnittlichen Standzeiten. Während der Nissan Leaf momentan 217 Tage beim Händler verweilt, bevor ein Kunde kauft, kommt der e-Golf auf 171 Tage. Am meisten nachgefragt in diesem Segment ist derzeit der BMW i3. Er stromert nach durchschnittlich 92 Tagen vom Hof.

Quelle: spiegel

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