Autokrise-Fahrt Fahrrad!

BERLIN, GERMANY – JUNE 14: Cyclists take part in the annual bicycle convergence (Fahrradsternfahrt) on the A100 Suedring highway on June 14, 2015 in Berlin, Germany. Up to 250,000 people were expected to participate along routes from the city peripheries that feed into the A100 and Avus highways and the city center. (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Fahrradfahren ist gesund, umweltfreundlich und preiswert – und oft ist man damit auch noch schneller als mit allen anderen Verkehrsmitteln. Die Autokrise sollte ein Grund sein umzusteigen.


Dies ist kein Plädoyer gegen Autos. Sie sind oft das einzige Verkehrsmittel der Wahl, wenn man lange Strecken in entlegenen Gegenden fahren muss. Ganz abgesehen davon ist die Autoindustrie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – oder war es jedenfalls.

Aber dass die deutschen Hersteller jahrelang miteinander kungelten, Absprachen trafen, Einfluss auf die Politik nahmen und bei den Abgaswerten mogelten, kurz: ihre Kunden systematisch betrogen, sollte nicht dazu führen, sie für ihr Tun auch noch zu belohnen, indem man jetzt neue Autos kauft. Und das Streben danach, die Umwelt zu schonen, sollte Anlass sein, einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, wie wir uns eigentlich fortbewegen wollen.

Welch Zufall, dass das Jahr der Autokrise das Jahr des 200. Geburtstages des Fahrrads ist! Deshalb sei an dieser Stelle an die Vorteile des Zweirads erinnert:

Fahrradfahren ist unglaublich gesund. Bei Strecken unter 20 Kilometern am Tag lohnt es sich umzusteigen. Wer seinen Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen mit dem Fahrrad zurücklegt und dauerhaft auf das Auto verzichtet, steigert seine Fitness, stärkt den Kreislauf und sein Abwehrsystem. Zudem lässt sich das Radfahren problemlos im Alltag integrieren. Es gibt Studien, die – übrigens ohne Einflussnahme von Lobbyisten – belegen, dass das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Diabetes zu erkranken, deutlich abnimmt, wenn man täglich mit dem Rad unterwegs ist. Fahrradfahren hilft auch gegen Müdigkeit und Konzentrationsmangel.

Das Fahrrad ist umweltschonend, schon in der Produktion und erst recht im täglichen Einsatz. Wenn wir nach Alternativen zu großen, Sprit fressenden Autos suchen, ist noch besser als das kleine, sparsame Auto oder das E-Auto: das Fahrrad.

Wer Sorge hat, fürs Fahrradfahren nicht genügend Kraft oder Kondition zu haben, kann heutzutage auf das E-Bike zurückgreifen. Das ist übrigens keineswegs nur eine Angelegenheit für gebrechliche Menschen, sondern auch für Pendler geeignet, die längere Strecken zurücklegen wollen, ohne dabei allzu verschwitzt anzukommen.

Da das Fahrrad keinen Kraftstoff benötigt (außer vernünftiger Ernährung des Fahrers), keine Versicherung, keine Steuer, ist es sagenhaft günstig. Für ein gutes Rad sollten Sie übrigens ruhig 500 Euro ausgeben, für 1000 Euro gibt es hervorragende Modelle. Nach oben ist die Grenze natürlich offen. Menschen geben für Leichtmetallfelgen ihres Autos 2000 Euro und mehr aus, da ist die Hälfte davon für ein ganzes Fahrzeug nicht zu viel. Nur: Bitte verzichten Sie auf das Billigfahrrad aus dem Baumarkt – das ist oft fabrikneuer Schrott.

Wenn Sie nur 100 Euro zur Verfügung haben, halten Sie lieber Ausschau nach einem gebrauchten Fahrrad. Suchen Sie im Internet oder in den Kleinanzeigen einer Zeitung , oder besuchen Sie einen Fahrradflohmarkt. Oder gehen Sie in Ihren Keller oder fragen die Verwandtschaft – vielleicht steht irgendwo noch ein schönes, altes Stück, das man mit ein bisschen Entstauben oder einem kleinen Service, vielleicht einer neuen Kette und neuen Bremsen wieder in Fahrt bringen kann. In vielen Städten gibt es außerdem tolle Möglichkeiten, Fahrräder zu leihen – für wenig Geld oder sogar kostenlos.

Sie werden das Parkplatzproblem nicht vermissen! Wobei: In manchen Städten gibt es zu wenig Stellplätze für Fahrräder, wo man sie vernünftig anschließen kann. In vielen Städten findet aber ein Umdenken statt, es wird in neue Fahrradinfrastruktur investiert.

Wer das Auto als Statussymbol sieht, dem sei vergewissert: Das können Sie auch mit dem Fahrrad haben. Es gibt Modelle, für die man Sie beneiden wird, die man bestaunt und für die Sie auch angesprochen werden („Wow, wo haben Sie das denn her?“). Cool ist es allemal. Überlegen Sie sich vorher aber (oder lassen Sie sich beraten), wofür Sie das Rad brauchen. Benötigen Sie ein Mountainbike oder eine Rennmaschine? Ein Fahrrad für die Stadt oder für lange Reisen? Oder ein Allroundding, mit dem alles möglich ist? Manche Leute, die viel Fahrrad fahren, besorgen sich auch zwei Räder für unterschiedliche Einsatzzwecke – oder mehr.

Oh, und dieses Freiheitsgefühl! Sie können halten, wo Sie wollen! Sie werden Ihre Stadt, Ihr Dorf, Ihre Region neu entdecken, Sie werden die Gegend nicht nur sehen, sondern auch hören und riechen, buchstäblich erfahren! Und trotzdem werden Sie im Berufsverkehr schneller sein als alle anderen. Sie können direkt von A nach B fahren, ohne Umwege zu und von einer Haltestelle. Sie müssen nie umsteigen. Aber Sie können das Fahrrad in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen (Wie wär’s mit einem Faltrad?). Es gibt tolle, oft kostenlose Apps wie „Bike Citizens“, die Ihnen das Navigieren erleichtern, die Touren vorschlagen und Ihnen Wege zeigen, von denen Sie gar nicht wussten, dass sie existieren. Und während des Radelns können Sie die Gedanken schweifen lassen, geraten aber auch nicht ins schwermütige Grübeln, weil Sie sich dazu dann doch zu sehr auf den Verkehr konzentrieren müssen.

Und wenn’s gar nicht anders geht, fahren Sie eben doch mit dem Auto. Aber vielleicht schaffen Sie es auch einfach ab und nutzen, wenn Sie unbedingt eins brauchen, ein Carsharing-Modell?

Hauptsache: Fahren Sie Fahrrad!

Quelle: spiegelonline

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