7 Tage mit der NIU unterwegs


Zugegeben – ich hatte Vorurteile.

Zum einen weil ich seit fast 50 Jahren begeisterter Radfahrer bin, zum anderen weil die NIU, welche mir nun für eine Woche zur Verfügung gestellt wurde, „nur“ 45 km/h fährt. Nun werden viele denken – „so schnell muss der erstmal mit seinem Rad fahren“. Das ist sicher richtig, aber dafür bin ich an mehr Verkehrsregeln gebunden als wenn ich mit dem Rad unterwegs wäre.

Wie dem auch sei – als ich die NIU vom netten Zweiradhändler Hanser in Freiburg abhole, überrascht mich zunächst das Design. Eine gelungene Mischung aus Moderne und klassischen Elementen. Schick, gut durchdacht und funktional. Schnell wird klar – hier haben sich geballte Kräfte Gedanken gemacht und das professionell umgesetzt.

Meine Vorbehalte sind schnell verflogen. Die Bedienung ergibt sich intuitiv und einige komfortable Features, die ich eventuell nicht vermisst hätte, nehme ich als willkommene Überraschung wahr.

Die kurzen Strecken, welche ich mir im Vorfeld für den ersten Tag vorgenommen habe, werden spontan zu freiwilligen Um-und Mehrwegen.


Die NIU hat drei Stufenmodi. In der Steigerung der Fahrleistung von 1-3. Schnell bewege ich mich nur noch auf 3. Auf diesem Level ist die Kraftübertragung zur Strasse noch direkter. Auch wenn ich mir damit etwas von der Gesamtreichweite von max. 80 km nehmen sollte.

Als ich schliesslich 48 km/h statt 45 km/h auf dem Tacho sehe, bin ich zufrieden. In einer Stadt wie Freiburg, in welcher viele Fahrzeuge ohnehin langsam unterwegs sind, kann ich so wunderbar mithalten.

Ich erlebe es als erhabenes Schweben durch die Stadt.

Die Kosten
Vergleichbare Verbrenner kosten mitunter vielleicht die Hälfte, aber der Anschaffungspreis von 2.669 Euro wird sich amortisieren, denn für 80km zahlt man ca. 39 Cent für Strom. Da Elektromobile generell weniger Teile benötigen, reduzieren sich dementsprechend und längerfristig auch Wartungs-, Verbrauchs-und Reparaturkosten.

Was uns aufgefallen ist
Besonders in Wohngebieten zeigt sich, dass es noch eine Weile dauern wird bis sich alle auf eine leisere Mobilität eingestellt haben. Einige rechnen nicht damit, dass jemand von hinten lautlos zum Überholen ansetzt. Ähnlich verhält es sich mit Fussgängern, die sich beim betreten der Strasse auf ihr Gehör verlassen. Sie erschrecken und schauen einem mitunter erst überrascht, dann fragend hinterher. Sicherlich muss das bei der Verkehrserziehung von Kindern besonders eingebracht werden.
Die Erfahrung wie es sich z.B. mit Katzen verhält, machte ich noch nicht.
Wir sollten unseren kognitiven Fähigkeiten trauen. Von Fahrrädern wird man schliesslich auch nicht ständig angefahren. Zum Glück hat die NIU sehr gute Bremsen, die sogar rekuperieren (die Batterie nachladen).

Sehr sympathisch ist die Feststellung, dass man sich während der Fahrt wunderbar mit seinem Mitfahrer unterhalten kann. Kein Geknatter erschwert die verbale Verständigung.

Wenn die Zikaden lauter sind…

Fazit
Die NIU benötigt keine Gewöhnungsphase. Sie ist direkt Bestandteil meines Alltages geworden. Mein wenig vorhandenes Verständnis für die „Stinker“ derselben Fahrzeugkategorie ersetzt sich durch Mitleid. Zum einen bügelt man sie bei entsprechender Fahrweise ohnehin weg, zum anderen werden sie gefühlt endgültig zu Fossilien.

Am letzten Tag verabschiede ich mich von der NIU mit etwas Wehmut. Es waren 7 nette Tage, auch wenn ich in der Zeit viel zu wenig Rad gefahren bin.

Quelle: Power-Vehicles / Arne Kühn

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