Der zweite Streich der Streetscooter-Erfinder


Der Streetscooter der Post schickt sich an, der erfolgreichste Elektrolieferwagen des Landes zu werden. Seine Erfinder planen den nächsten Coup: einen elektrischen Kleinwagen, der selbst manchen Porsche stehen lässt.


Dass es so schnell gehen würde, hätte wohl auch in Aachen niemand gedacht. Die Deutsche Post will in den kommenden Jahren in Eigenregie die Produktion des elektrischen Lieferwagens Streetscooter hochfahren – ein zweites und sogar ein drittes Werk sind schon in Planung.

Innerhalb weniger Jahre könnte das Modell damit eine Nische besetzen, die von der Industrie bislang nicht als lukrativ genug angesehen wurde. Die Idee für den Streetscooter kommt nicht aus den hochrangig besetzten Entwicklungsabteilungen der Autoindustrie, sondern aus einer kleinen Ideenschmiede der RWTH Aachen.

Mit der geplanten Kapazitätserweiterung würde die Post zum größten Elektroauto-Anbieter in Deutschland.

Elektroauto der Post wird zum Verkaufsschlager

Geplant war der Streetscooter nur für den Eigenbedarf. Nun wird die Post damit zum größten E-Auto-Verkäufer in Deutschland – trotz der mageren Leistungswerte. Volkswagen hatte den Bau zuvor abgelehnt. mehr…

Geboren wurde sie im Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der technischen Elite-Universität, aus der auch etliche Konzerne ihr Personal rekrutieren, unter der Leitung von Professor Günther Schuh. Er ist der Gründer der Streetscooter GmbH, die er mittlerweile an die Deutsche Post verkauft hat.

Doch mit seinen jungen Entwicklern plant der Professor bereits den nächsten Coup. Im kommenden Jahr will das junge Entwicklungsteam der RWTH mit dem E.Go Life einen elektrischen Kleinwagen auf den Markt bringen. Ein Einstiegsmodell, das beweisen soll, dass elektrische Antriebe auch preislich mit dem Verbrenner konkurrieren können. Im Einstieg soll es 15.900 Euro kosten, mit staatlicher Prämie ist das Modell sogar schon für 11.900 Euro zu haben.

BATTERIEZELLEN-HERSTELLER
Diese Firmen setzen die Autobauer unter Strom

Platz 5: GS Yuasa
Binnen der nächsten neun Jahre ist es denkbar, dass Elektroautos Verbrennern nicht nur bei Beschleunigung und Reichweite Paroli bieten, sondern auch auf der Kostenseite. Die Unternehmensberatung Roland Berger erwartet eine Preisparität ab dem Jahr 2025. Voraussetzung dafür sind aber günstige Batterien. Zellhersteller, wie die japanische Firma GS Yuasa, versuchen daher die Kosten mit allen Mitteln zu drücken. Die Preise für Lithium-Ionen-Zellen müssen rapide fallen – von aktuell etwa 300 Euro auf zumindest 100 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität. Der wichtigste Kunde von GS Yuasa ist aktuell der Autohersteller Mitsubishi.

Platz 4: BYD
Chinas führender Zellhersteller drängt so aggressiv wie kaum eine andere Firma aus der Branche direkt in Endmärkte. So ist BYD etwa der weltweit führende Produzent von wiederaufladbaren Akkus, die insbesondere in Mobiltelefonen eingesetzt werden. Darüber hinaus stellen die Chinesen elektronisch betriebene Gabelstapler her. Der Grund: „Der Benefit eines E-Autos kommt über die intensive Nutzung erst richtig zum tragen“, erklärt Thomas Christiansen. Der Energieexperte der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ist überzeugt, dass sich beispielsweise Fahrzeugflotten von Logistikfirmen und Paketzustellern, die ständig in Bewegung sind, mitunter schon heute rechnen. Diese Erkenntnis macht sich BYD zunutze.

Platz 3: Samsung

Anfang 2015 gelang Samsung ein kleiner Coup: Die Südkoreaner kauften die Batteriesparte des Autozulieferers Magna Steyr. Und schnappten sie damit Apple weg. Der US-Tech-Riese hatte ebenfalls Interesse an der Akkufirma, da Apple daran arbeitet, selbst ein Elektroauto zu bauen. Seit Samsung den Zuschlag bekam, läuft es bei dem Elektronik-Gigant auch bei der Kundschaft in Europa besser.

Platz 2: LG Chem
Die Chemietochter des südkoreanischen Mischkonzerns LG ist der wahrscheinlich aggressivste Zellhersteller im Markt. Mit Kampfpreisen ergatterte LG Chem in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe neuer Aufträge. Geld verdient die Firma mit ihrer Offensive wohl nicht. Aber darum dürfte es den Südkoreanern zunächst auch gar nicht gehen.

„Alle großen Zellhersteller haben in der Vergangenheit mit dem Zellgeschäft Verluste gemacht oder an der Nulllinie entlang gewirtschaftet“, sagt Wolfgang Bernhart. Der Automobilexperte der Unternehmensberatung Roland Berger erwartet eine „Konsolidierung des Marktes auf voraussichtlich vier bis fünf große Player“. Nach der Marktbereinigung will LG Chem ganz vorne dabei sein – um dann satte Profite zu erwirtschaften. Der Ingolstädter Autobauer Audi ist etwa einer der Geschäftspartner in Europa.

Platz 1: Panasonic/Sanyo
Die klare Nummer eins unter den Zellherstellern ist Panasonic. Die Japaner statten die Elektroflitzer des kalifornischen Autoherstellers Tesla mit zylindrischen Batteriezellen aus. Weil sich kein Stromer so gut verkauft, wie das Tesla Model S dürfte Panasonic 2017 auf einen Marktanteil unter den Zellherstellern von rund 40 Prozent kommen.

Zuletzt haben die Japaner aber einige Aufträge an die südkoreanischen Konkurrenten LG Chem und Samsung verloren. Die Übermacht von Panasonic bröckelt. Auf lange Sicht könnte die Abhängigkeit von Tesla für die Japaner zum Problem werden.

Schuh und seine Entwickler gehen dabei einen Weg, der deutlich anders aussieht als in der Industrie. Während die Konzerne sich bei der Entwicklung ihrer Elektromodelle ein Wettrennen um die höchste Reichweite liefern, feilen die Aachener vor allem an der Effizienz in Produktion und Entwicklung, um das Auto zu einem möglichst niedrigen Preis anbieten zu können.

Professor Schuh setzt dabei einmal mehr auf die Nische. Mit 140 Kilometern Reichweite und einer Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern ist der E.Go nichts für die Autobahn. Doch das soll er auch gar nicht sein. „Wir entwickeln Autos für den emissionsfreien Stadtverkehr – mit weniger Reichweite, aber trotzdem hohem Fahrspaß“, sagt Professor Schuh. In 4,9 Sekunden sprintet der elektrische Kleinwagen auf 50 Stundenkilometer – und lässt damit auf den ersten Metern manchen Porsche an der Ampel stehen.

Quelle: handelsblatt

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