Auf den grünen Zweig gekommen


Hubraum, Zylinder, PS? Egal! Das Autoquartett muss neu geschrieben werden – Kilowatt, Reichweite und Ladezeit sind jetzt Trumpf. Eine Woche Elektroautofahren hat den Öko-Jünger in mir geweckt.


Worum geht’s?

Versuchen kann man’s ja mal: Christian Frahm lebt in einem Wohngebiet im Osten Hamburgs und möchte herausfinden, wie praktisch ein Elektroauto für ihn ist. Ein Test unter verschärften Bedingungen – denn er hat keine Garage und kann sein E-Mobil nur an öffentlichen Ladesäulen mit Strom befüllen. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er über seine Erfahrungen.

Was bisher geschah

So langsam habe ich den Bogen mit dem Elektroauto Zoe raus, ich komme überall problemlos an. Auch den Ladevorgang habe ich inzwischen gut in meinen Alltag integriert, auch wenn die Abrechnung des Stroms nicht immer ganz einfach ist.

Wer bremst, gewinnt

Zügig surre ich mich mit dem Renault Zoe durch den Innenstadtverkehr. In weiter Ferne schaltet die Ampel auf Rot, aber anstatt – wie ich es sonst gewohnt bin – weiter auf dem Gas zu stehen, nehme ich den Fuß jetzt sofort vom Pedal. Der Motor arbeitet jetzt wie ein Dynamo, er rekuperiert: Das Elektroauto wird langsamer, die Akkuanzeige im Cockpit zeigt an, dass die Batterie gerade geladen wird. Mit jedem Bremsvorgang gewinne ich wieder ein paar Meter Reichweite dazu.

Im zentralen Display zeigt mir der „Tour-Report“ weitere Daten meiner Fahrt an. Oben rechts meldet mir ein Punktestand, wie ökologisch meine Fahrweise ist. Von 100 möglichen Effizienzpunkten habe ich immerhin 91 – das ist mein bisher höchster Wert. Außerdem habe ich heute bereits zwei Kilowattstunden Energie eingespart – auch dank Rekuperation. Durchschnittsverbrauch (16 kWh pro 100 Kilometer) und Durchschnittstempo (20 km/h im trägen Stadtverkehr) werden ebenfalls angezeigt.

Wie das E-Auto meinen Fahrstil ändert

Schon nach den ersten Tagen im Zoe hat sich mein Fahrstil geändert. Ich fahre insgesamt gelassener. Gerade im zähfließenden Verkehr der Rush Hour kann man gut Strom sparen. Was nützt es mir, erst spät zu bremsen, oder auf einem freien Streckenabschnitt so richtig aufs Pedal zu treten, wenn ich hinter der nächsten Kurve eh wieder im Stau stehe? Zeit spare ich dadurch jedenfalls nicht.

Tatsächlich animiert das Bordsystem geradezu zum sparsamen Fahren. Man freut sich, wenn man es am Abend wieder geschafft hat, die Werte vom Vortag zu überbieten. Meine Ladesäulen-App, die mich über meine getätigten Tankvorgänge informiert, zeigt mir an, dass ich, gegenüber dem durchschnittlichen Schadstoffausstoß eines vergleichbaren Verbrenners, in den vergangenen sieben Tagen bereits rund 70 Kilogramm CO2 eingespart habe. Angenommen, ich führe an 250 Tagen im Jahr Auto, ergäbe das eine Einsparung von 2500 Kilogramm CO2. Ich finde das beeindruckend.

Unterwegs in grüner Mission

Auch im Gespräch mit Freunden merke ich einen Unterschied. Die Leute interessieren sich für das Thema Elektromobilität, wissen aber wenig darüber. „Wie lange hängt man denn damit an der Steckdose?“ ist eine der gängigen Fragen. Skeptiker vermuten hingegen „Damit bleibst Du auf der Autobahn doch liegen!“ Plötzlich ist das Auto wieder ein Gesprächsthema. Und nach einer Woche Elektroautofahren bin ich schon um einige Erfahrungen reicher. Ich kann viele dieser Fragen nur positiv beantworten. Manchmal komme ich mir dabei vor wie ein Elektromobilitäts-Missionar.

Und Spaß habe ich trotz Sparambitionen trotzdem! Das zügig zischende Fahrgefühl des Elektroautos, der schnelle Ampelstart, mit dem man die großmotorigen Limousinen links liegen lässt oder die Blicke der Passanten, die sich über das nahezu lautlose Gefährt wundern, sind ein Quell der Freude. Auch ohne mit 230 km/h über die Autobahn zu braten, kann man in dem kleinen Elektroflitzer auf seine Kosten kommen – und diese nebenbei sogar noch senken.

Quelle: spiegel

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